Vorpommern


Schiffsname Vorpommern
Ex-Namen
Nationalität D
Heimathafen Greifswald
Typ 17m EinheitsKutter
Rigg
Baujahr 1950
Bauwerft Bladt & Sohn
Bauort Strsalsund
Länge (London) 17,76 m
Länge (Meßbrief) m
Länge über alles 21 m
Breite 5,60 m
Tiefgang 2,50 m
Segelfläche 150 m²
Motor Segel
Leistung 135 PS
Museumshafen Greifswald

Über das Schiff

PIEKFALL 91-2006 S. 30
Schoner VORPOMMERN feiert sein Zehnjähriges.
Am Anfang war so eine Idee. Die Idee von sozialpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an Bord eines alten Segelschiffes. Mit schwer Erziehbaren, Suchtgefährdeten oder Straffälligen. Das war ja an sich nichts Neues: Lothar Knöpke, seinerzeit noch stellver-tretender Leiter des Greifswalder Jugendamtes, hatte das 1990 bei einem Arbeitsbesuch in Husum kennen gelernt. „Reisepädagogik sagten die einen, „Sozialverklappung die anderen, zumindest in der Rückschau, denn an solchen Schiffsprojekten hatten sich seit den 70er Jahren schon viele versucht. Mit durchaus unterschiedlichem Erfolg.
Der Schoner Vorpommern, der in diesem Jahr das Zehnjährige seiner zweiten Jungfernfahrt feiert, gehört zweifellos zu den erfolgreichen Projekten. Auch wenn es anfangs nicht sehr danach aussah. Denn selbstredend stand nicht genügend Geld für ein fertiges Schiff zur Verfügung, und so kaufte der eigens gegründete Förderverein Sozialarbeit in Vorpommern kurzerhand den Rumpf eines 1950 bei Bladt&Sohn auf dem Dänholm gebauten 17m-Kutters. Der war bis 1988 zunächst in Saßnitz, dann in Wolgast und Ueckermünde und schließlich in Karlshagen gefahren. Jetzt war das Schiff günstig zu haben, und ein Blick in den Kaufvertrag verrät sofort, warum das auch nicht anders sein konnte: Der Schiffskörper ist, so steht da zu lesen, ohne Motor, Aufbauten, Innenausbauten und Ausrüstung. Der Verkäufer übernimmt keine Garantie für Funktionsfähigkeit, Betriebssicherheit und verdeckte Mängel. Letzteres ist im Zeitalter des EU-Gewährleistungsrechtes sicher nicht ungewohnt, aber die Bilder des Kutters aus dieser Zeit offenbaren erst die wahre Bedeutung der Floskel.
Erst einmal wurde also viel Papier beschrieben: Anträge, Konzeptpapiere, Protokolle,
Protokolle die Satzung. Auch erste Segelrisse wurden gezeichnet, mal mit Schonerrigg, mal ketschgetakelt. Und immer mit gewaltigem achterlichen Ruderhaus, offensichtlich hatte man damals noch ein Herz für frierende Schipper. Nicht schön, aber selten sah das aus.
Zu dieser Zeit kam gerade die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme so richtig in Mode, und zunächst sollte das Schiff in Wolgast aufgebaut werden. Aber 1992 gab das Greifswalder Yachtzentrum die Gebäude der ehemaligen Buchholzschen Werft endgültig auf und vermietete die alten Hallen an den Förderverein. Damit konnte das erste Schiffbauprojekt der neuen Zeit auf der heutigen Museumswerft begonnen werden. Allerdings mussten zuvor erst einmal nicht nur die Hallen, sondern auch die Maschinen instand gesetzt werden. Das Yachtzentrum hatte sich um beides nicht wirklich gekümmert, also mussten die Mitstreiter des Vereins sich erst einmal die richtigen Arbeitsbedingungen schaffen. An der Höhe der Miete änderte das übrigens nichts.
Ein Jahr Bauzeit war damals geplant, und eine hiesige Zeitung berichtete schon euphorisch von unmittelbar bevorstehenden Törns. Aber dann ging der Rumpf erst einmal auf Grund: Die lange Trockenheit hatte die Planken schrumpfen lassen, Wasser war eingeströmt und hatte Werg und Pech stellenweise heraus gedrückt. Glücklicherweise stand die neue Maschine noch an Land. Aber jetzt war klar, dass auch der Rumpf weitaus aufwändiger restauriert werden müsste als gedacht. Also wurden die alte Slipanlage der Werft behelfs¬mäßig in Gang gesetzt und erst einmal Planken gewechselt.
Immer wieder mussten die Arbeiten unterbrochen werden, weil sich die ABM nicht nahtlos aneinander reihten. Oder weil wieder mal in die Werft eingebrochen worden war und Unbe-kannte die Maschinen zerstört hatten. Oder weil die Mitarbeiter einfach mit anderen Aktivitäten vollends ausgelastet waren, denn längst bot der Verein auch betreutes Wohnen, Ferienlager, Jugendkuttersegeln und andere sozialpädagogische Leistungen an. Aber im April 1996 machte die Vorpommern ihre zweite Jungfernfahrt. Am Ende ist es doch ein Schonerrigg geworden anstelle der Galeass-Takelung vergleichbarer Schiffe. Die typischen Linien des 17m-Ostseekutters sind unverkennbar, und das freie Deck lässt das Schiff größer und traditioneller erscheinen. Bis heute ist die Vorpommern mit fast 10.000 Kindern und Jugendlichen unterwegs gewesen.
Rund 25.000sm hat sie im Kielwasser, fast 800 Seetage. Ein gewaltiges Ruderhaus hat das Traditionsschiff bis heute nicht bekommen, glücklicherweise, zumindest aus Sicht des Betrachters. Die beiden Schipper Henry Martens und Harry Buchholz mögen das manchmal anders sehen. Volker Pesch
Kontakt: Sozialarbeit Vorpommern gGmbH, Tel.: 03834-509010

Die Historie

PIEKFALL 91-2006 S. 30
Schoner VORPOMMERN feiert sein Zehnjähriges.
Am Anfang war so eine Idee. Die Idee von sozialpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an Bord eines alten Segelschiffes. Mit schwer Erziehbaren, Suchtgefährdeten oder Straffälligen. Das war ja an sich nichts Neues: Lothar Knöpke, seinerzeit noch stellver-tretender Leiter des Greifswalder Jugendamtes, hatte das 1990 bei einem Arbeitsbesuch in Husum kennen gelernt. „Reisepädagogik sagten die einen, „Sozialverklappung die anderen, zumindest in der Rückschau, denn an solchen Schiffsprojekten hatten sich seit den 70er Jahren schon viele versucht. Mit durchaus unterschiedlichem Erfolg.
Der Schoner Vorpommern, der in diesem Jahr das Zehnjährige seiner zweiten Jungfernfahrt feiert, gehört zweifellos zu den erfolgreichen Projekten. Auch wenn es anfangs nicht sehr danach aussah. Denn selbstredend stand nicht genügend Geld für ein fertiges Schiff zur Verfügung, und so kaufte der eigens gegründete Förderverein Sozialarbeit in Vorpommern kurzerhand den Rumpf eines 1950 bei Bladt&Sohn auf dem Dänholm gebauten 17m-Kutters. Der war bis 1988 zunächst in Saßnitz, dann in Wolgast und Ueckermünde und schließlich in Karlshagen gefahren. Jetzt war das Schiff günstig zu haben, und ein Blick in den Kaufvertrag verrät sofort, warum das auch nicht anders sein konnte: Der Schiffskörper ist, so steht da zu lesen, ohne Motor, Aufbauten, Innenausbauten und Ausrüstung. Der Verkäufer übernimmt keine Garantie für Funktionsfähigkeit, Betriebssicherheit und verdeckte Mängel. Letzteres ist im Zeitalter des EU-Gewährleistungsrechtes sicher nicht ungewohnt, aber die Bilder des Kutters aus dieser Zeit offenbaren erst die wahre Bedeutung der Floskel.
Erst einmal wurde also viel Papier beschrieben: Anträge, Konzeptpapiere, Protokolle,
Protokolle die Satzung. Auch erste Segelrisse wurden gezeichnet, mal mit Schonerrigg, mal ketschgetakelt. Und immer mit gewaltigem achterlichen Ruderhaus, offensichtlich hatte man damals noch ein Herz für frierende Schipper. Nicht schön, aber selten sah das aus.
Zu dieser Zeit kam gerade die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme so richtig in Mode, und zunächst sollte das Schiff in Wolgast aufgebaut werden. Aber 1992 gab das Greifswalder Yachtzentrum die Gebäude der ehemaligen Buchholzschen Werft endgültig auf und vermietete die alten Hallen an den Förderverein. Damit konnte das erste Schiffbauprojekt der neuen Zeit auf der heutigen Museumswerft begonnen werden. Allerdings mussten zuvor erst einmal nicht nur die Hallen, sondern auch die Maschinen instand gesetzt werden. Das Yachtzentrum hatte sich um beides nicht wirklich gekümmert, also mussten die Mitstreiter des Vereins sich erst einmal die richtigen Arbeitsbedingungen schaffen. An der Höhe der Miete änderte das übrigens nichts.
Ein Jahr Bauzeit war damals geplant, und eine hiesige Zeitung berichtete schon euphorisch von unmittelbar bevorstehenden Törns. Aber dann ging der Rumpf erst einmal auf Grund: Die lange Trockenheit hatte die Planken schrumpfen lassen, Wasser war eingeströmt und hatte Werg und Pech stellenweise heraus gedrückt. Glücklicherweise stand die neue Maschine noch an Land. Aber jetzt war klar, dass auch der Rumpf weitaus aufwändiger restauriert werden müsste als gedacht. Also wurden die alte Slipanlage der Werft behelfs¬mäßig in Gang gesetzt und erst einmal Planken gewechselt.
Immer wieder mussten die Arbeiten unterbrochen werden, weil sich die ABM nicht nahtlos aneinander reihten. Oder weil wieder mal in die Werft eingebrochen worden war und Unbe-kannte die Maschinen zerstört hatten. Oder weil die Mitarbeiter einfach mit anderen Aktivitäten vollends ausgelastet waren, denn längst bot der Verein auch betreutes Wohnen, Ferienlager, Jugendkuttersegeln und andere sozialpädagogische Leistungen an. Aber im April 1996 machte die Vorpommern ihre zweite Jungfernfahrt. Am Ende ist es doch ein Schonerrigg geworden anstelle der Galeass-Takelung vergleichbarer Schiffe. Die typischen Linien des 17m-Ostseekutters sind unverkennbar, und das freie Deck lässt das Schiff größer und traditioneller erscheinen. Bis heute ist die Vorpommern mit fast 10.000 Kindern und Jugendlichen unterwegs gewesen.
Rund 25.000sm hat sie im Kielwasser, fast 800 Seetage. Ein gewaltiges Ruderhaus hat das Traditionsschiff bis heute nicht bekommen, glücklicherweise, zumindest aus Sicht des Betrachters. Die beiden Schipper Henry Martens und Harry Buchholz mögen das manchmal anders sehen. Volker Pesch
Kontakt: Sozialarbeit Vorpommern gGmbH, Tel.: 03834-509010

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